Mangrovenwurzel im Aquarium – ein wahrer Evergreen in der Aquaristik

Mangrovenwurzel

Wurzeln jeglicher Art sind ein beliebter Einrichtungsgegenstand für jedes Süßwasserbecken – egal in welcher Größe. Ausführliche Infos dazu habe ich schon in meinem Artikel über die bekannte Moorkienwurzel zusammengefasst. Doch die Mangrovenwurzel rangiert in der Gunst der Aquarianer auch ganz weit oben. Es kommt dabei allerdings immer auch darauf an, welche Fische du in deinem Becken hast. Denn sie müssen mit den Wurzeln kompatibel sein. Oder umgekehrt: Wenn du Welse im Becken hast, wie beispielsweise den Antennenwels, dann legt dieser Wert darauf, dass auch Wurzeln auf seinem Speiseplan stehen. Er braucht von dir was zu Knabbern hinter die Kiemen!

Warum eine Mangrovenwurzel?

Die Mangrovenwurzel zählt zu den Tropenhölzern und ist neben den Wurzeln aus dem Moor besonders gut für Aquarien geeignet. Allerdings sind die tropischen Varianten viel härter als die weichen Moorwurzeln. Aber sie haben teilweise ein faszinierend bizarres Aussehen und sind daher ein toller Hingucker in jedem Becken. Aufgrund ihrer Herkunft sind sie zudem relativ anspruchslos.

Mangrovenwurzel Herkunft

Die Mangrovenwurzel stammt von den Mangrovenbäumen, die an Meeresküsten und im brackigen Flusswasser an einigen Flussmündungen wachsen. Es gibt sogar zwei unterschiedliche Hauptarten – die West- und die Ostmangroven. Die ungefähr acht verschiedenen Westmangrovenarten wachsen in Westafrika und Amerika. Die über 50 bekannten Ostmangrovenarten in Ostafrika, Indien, Madagaskar und Südostasien. Sie wachsen dort zusammen mit Hecken und Sträuchern im Mangrovenwald oder auch Mangrovensumpf in warmem, salzhaltigen Wasser. Sie brauchen aber das salzige Wasser nicht, sie tolerieren es nur. Du darfst sie also – genau wie die anderen Hölzer und Wurzeln – nicht im Meerwasserbecken verwenden! In ihrer Umgebung sind sie extrem angepasst, denn neben der Tolerierung von Salzwasser, kommen sie auch mit wenig Sauerstoff aus. Selbst unter ungünstigsten Bedingungen schaffen diese Bäume es noch, sich zu vermehren und schwimmfähige Keimlinge zu entwickeln. Allerdings wachsen sie bei schlechten Bedingungen nicht zur von der Natur geplanten Größe heran, sondern nur nur einer Miniform. Die Wurzel ist also auch in deinem Becken relativ anspruchslos und braucht lediglich rund 20°C Wassertemperatur um sich heimelig zu fühlen.

Gefährdete Art

Leider sind die Mangroven gefährdet, da sie häufig in Gebieten wachsen, wo sich die Garnelenzucht ausweitet und wo ordentlich gedüngt und mit Chemikalien gearbeitet wird. Eigentlich will man die Shrimps aus diesen vergifteten Teichen ja nicht unbedingt essen, aber es gibt sie nun mal. Die sonst so tolerante und anspruchsvolle Mangrove hat aber hier keine Chance, nach so einer Umweltfolter in diesen Teichen wieder anzuwachsen. Fast alle Aufforstungen scheitern daher. Dazu kommt, dass die Küstenbewohner die Mangroven als Brennholz verwenden und große Landstriche trockenlegen, um Häuser zu bauen. Des Weiteren kommen noch verschiedene Ölverschmutzungen in der Gegend des Persischen Golfs hinzu. Das alles könnte übrigens ein Grund für dich sein, diese Wurzel nicht in deinem Becken einsetzen zu wollen. Doch wenn du ein Themenbecken hast mit Fischen aus den jeweiligen Gebieten, dann benötigst du eben den passenden Lebensraum.

Größe und Aussehen

Die faszinierenden Wurzeln gibt es in verschiedenen Größen von ganz klein bis zu 60 cm.  Je nach Bezugsquelle kannst du kleine Stücke um die 10 Euro bekommen, große können bis zu 50 Euro oder mehr kosten.

Mangrovenwurzel kaufen

Die Mangrovenwurzeln kannst du im Fachhandel vor Ort oder im gut sortierten Onlineshop erhalten. Wenn du dich als Laie noch nicht gut auskennst, solltest du darauf verzichten, dir welche über private Anbieter zu besorgen – du weißt nie, was du bekommst und ob die Teile echt und verwendbar sind.

Mangrovenwurzel selber sammeln

Natürlich kannst du auch Mangrovenwurzeln selbst sammeln, aber warum solltest du deswegen extra nach Afrika fliegen und dich dort durch das Sumpfgebiet quälen? Und bei uns wirst du in freier Wildbahn keine Mangroven finden. Außerdem stehen die Pflanzen wegen der Gefährdung teilweise unter Artenschutz. Und, last, but not least: Es ist aus gesundheitlichen Gründen verboten, Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse aus Nicht-EU-Staaten einzuführen (wegen der Gefahr von Keimen). Dazu müssen Gesundheitszeugnisse, Quarantänen und alles Mögliche vorangehen, was eigentlich bei jedem Aquarianer die Lust abtötet, selbst auf Wurzeljagd zu gehen. Kaufe sie lieber bei einem vertrauenswürdigen Händler, der den ganzen Papierkram bereits hinter sich und bei der Einfuhr alle zollrechtlichen Bestimmungen beachtet hat.

Mangrovenwurzel im Aquarium einsetzen

Bevor du die Wurzeln deinen Antennenwelsen oder Diskussen zumutest, solltest du sie sorgfältig vorbereiten. Dabei stehst du vor einer ähnlichen Problematik wie bei jedem anderen Holz: Wässern oder Abkochen? Schrubben oder nicht? Und was ist mit deinen Wasserwerten?

Mangrovenwurzel Wasserwerte

Also zunächst zu den Wasserwerten. Es gibt immer noch Aquarianer, die einfach eine Wurzel kaufen, abbrausen und rein ins Becken. Und oft geht das problemlos gut. Manche Laien wissen anfangs nicht einmal, dass sie verschiedene Wasserwerte messen sollten, und betreiben auch keinen großen Kult darum, ein Becken zuerst einzurichten, bis sich ein Ökosystem gebildet hat, bevor die Fische reinkommen. Erstaunlich, dass es trotzdem funktioniert. Bei teuren Fischen würde ich mich allerdings nicht darauf verlassen. Und wenn du die Aquaristik ernsthaft betreibst, wirst du zumindest ein klein wenig auf die Werte achten. Dabei ist wichtig, dass du deinen Fischen die Umgebung bietest, die sie naturgemäß benötigen. Das schließt die richtigen Pflanzen und Dekogegenstände – in dem Fall die Mangrovenwurzeln – und die Wasserzusammensetzung mit ein. Mangrovenwurzeln können durch ihre Inhaltsstoffe (wie Huminsäure und Gerbstoff oder auch Chemikalien und Pestizide) dein Becken nicht nur verfärben, sondern die Wasserwerte nachteilig verändern. Meist ist allerdings bei Mangrovenwurzeln aus dem Fachhandel kein großes Risiko zu befürchten. Du kannst ja eine Vorher-Nachher- Messung machen, bevor du deine Fische ins Becken setzt. Oder die Veränderung messen, nachdem die Wurzel drin ist, um schon bei den geringsten Anzeichen reagieren zu können. Doch vorab geht ohne Reinigung natürlich gar nichts!

Reinigen durch Wässern oder Abkochen?

Ich bin kein großer Freund des Abkochens, es wird auch im Gegensatz zu früher nicht mehr empfohlen. Einige Aquarianer legen Wert darauf und empfehlen es dringend. Ich würde dazu höchstens raten, wenn die Mangrovenwurzel wirklich übel verdreckt ist.  Aber so ein Exemplar würde ich mir im Fachhandel auch gar nicht auswählen. Viel wichtiger und auch notwendig ist dagegen das Reinigen und das Wässern. Das musst du unterscheiden: Wässern bedeutet nicht abspülen, sondern quasi in Wasser einlegen, bis sie alle unerwünschten Farbstoffe abgegeben hat, damit sie später dein Becken nicht trübt. Wenn du die Trübung aber für dein Becken und die Fische brauchst, solltest du sie nicht zu gründlich wässern. Aber jetzt der Reihe nach:

Mangrovenwurzel wie lange wässern?

Du musst die Mangrovenwurzel wässern, bevor du sie ins Aquarium einsetzt. Genau wie alle anderen Hölzer auch. Das ist wichtig, denn die Mangrovenwurzel färbt das Wasser sonst zu einem fröhlich-abschreckenden Dreckbraun. Also spüle sie zunächst ab und bürste sie gut, um sie vom schlimmsten Schmutz zu befreien. Dann legst du sie in einen Eimer mit Wasser und lässt sie ein paar Tage darin liegen. So kannst du immer wieder prüfen, ob sie noch Farbe in den Eimer abgibt. Einfach mal öfter das Wasser wechseln, sobald es klar bleibt, hast du es geschafft. Wie lange dieser Prozess dauert, kann ich dir nicht pauschal sagen, das kommt auch ganz auf den Ausgangszustand der Wurzel an. Auch wenn das Wasser im Eimer dann klar ist: Spül sie nochmals kurz ab und bürste sie, damit du auch wirklich alle Schwebstoffe, die noch anhaften könnten, aus der Wurzel heraus bekommst.

Gegen den Auftrieb

Gewässert wird auch, damit die Wurzeln später nicht im Aquarium hoch schwimmen und lose im Becken treiben. Mangroven und auch Driftwood sind aber von Natur aus schwerer als beispielsweise Moorkienholz und gehen meistens direkt unter, auch ohne dass du sie wässerst. Ob das bei deiner Wurzel klappt, siehst du ja sofort. Sollte sie noch Auftrieb haben, kannst du mit ein paar bekannten Hausmittelchen nachhelfen:

–       Eingraben in den Kies.

–       Beschweren mit Steinen. Diese kannst du zwischen die Äste klemmen.

–       Auf Steinen festbinden (beispielsweise mit Kabelbinder, manche benutzen auch Kleber.)

–       Oder du verbindest sie mit anderen Dekogegenständen, zwischen die du sie einklemmen kannst. Ich bin kein Freund davon, aber du kannst ja vom Piratenschiff bis zum Totenkopf oder der Schatzkiste alles Mögliche kaufen und in dein Becken stellen. Wenn du auf so eine Deko stehst, dann ordne die Gegenstände am besten so an, dass sie die Mangrovenwurzel schön einklemmen. Wenn die Wurzel noch nicht optimal passt, kannst du sie sogar (im noch trockenen Zustand) in Form sägen. Manche zersägen ihre Wurzeln und kleben sie neu – und anders – wieder zusammen. Ich habe noch nie auf solche Bastelarbeiten zurückgegriffen. Ich kaufe mir ein Stück, das von der Größe her passt, reinige es und setze es ein. Aber geschnitten und geklebt wird da nichts mehr. Das ist natürlich Geschmacksache. Wenn du es mal ausprobieren willst oder einfach Lust darauf hast, dann kannst du dich hier künstlerisch betätigen.

Probleme: Bakterienbeläge oder Nachfärben des Wassers

Sollte sich einmal kurzfristig ein Bakterienfilm auf einer Wurzel bilden (das ist eigentlich häufiger bei Moorwurzeln der Fall), dann gerate nicht in Panik. Einfach die Wurzel rausnehmen und abschrubben oder absaugen. Falls du Schnecken im Becken hast (oder Garnelen), dann kümmern die sich sehr gerne darum. Für die ist das wie ein Büffet. Und du brauchst gar nichts weiter zu unternehmen. Wenn die gut gewässerte Wurzel plötzlich doch noch Farbe abgibt oder du keinen Nerv auf Wässerungs-Spielchen hast, dann kannst du auch künstlich nachhelfen, indem du fleißig das Wasser wechselst (was deine Fische extrem uncool finden werden) oder du kippst ein Filtermedium rein, das die Verfärbung entfernt. Persönlich bin ich gegen beides. Ein wenig Geduld und gründliches Wässern haben noch niemandem geschadet. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

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